Jan Krutisch ...maker. breaker. crush groover. body mover.

Deutsche Artikel

  • 05 Jan 2011Hamburg Deine Radwege...

    Seit meinem Umzug bin ich ja jetzt wieder Radfahrer. Gut, der Zeitpunkt ist etwas unglücklich gewählt, Hamburg versinkt mal wieder in einem Jahrhundertwinter (schon der zweite in Folge, uiuiuiui), aber ehrlich gesagt bin ich da noch aus meiner Schulzeit genug Kummer gewohnt, denn in der Regel war es damals immer noch einfacher und schneller, mit dem Fahrrad zu fahren, als mich auf die ständig zu spät kommenden Busse zu verlassen, die dann auch schon mal nach kurzer Rutschphase einfach an unserer Bushaltestelle vorbeigerauscht sind.

    Damals bestand mein Schulweg vor allem aus kleinen Straßen zwischen Berne und Wellingsbüttel – Allesamt im Winter eher nicht geschoben und daher immer mal wieder für eine Rutschpartie gut, aber wenigstens, weil Straßen, irgendwann so festgefahren, dass man da bequem durch kam.

    Jetzt besteht mein Arbeitsweg überwiegend aus Radwegen, mit der Ausnahme des Weidenstiegs, der mit fast durchgehendem Kopfsteinpflaster schon bei Regen eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle darstellt. Wobei, das ist nicht ganz richtig, denn zur Zeit sind ca. 50-60% der Radwege auf meinem Arbeitsweg schlicht nicht befahrbar. Der Zustand lässt sich in etwa als seifige Mondkraterlandschaft beschreiben.

    Schlimmer noch: An Stellen, an denen nicht eindeutig ein Mieter für die Räumung der Gehwege verantwortlich ist (wo ich also Laienhaft davon ausgehe, dass die Stadt die Räumpflicht selber hat), ist oft nicht mal der Gehweg geräumt.

    Okay, leere Kassen und so, und auch die Räumung der Straßen hat um Weihnachten herum eher zu wünschen übrig gelassen, als es so stark geschneit hat, aber das Problem an der Stelle ist doch, das die Stadt sich dort eindeutig riesige Haftungsrisiken aufbürdet (abgesehen von dem vorgelagerten Verletzungsrisiken, die ja im Zweifel erst im Haftungsfall irgendwen interessieren).

    Und wir Radfahrer? Je nun, nach allem was ich so auf die Schnelle im Netz dazu gefunden habe, sind wir im Zweifel einfach die gelackmeierten – Eine spezielle Räumpflicht für Fahrradwege gibt es nicht und wenn, dann geht’s auch wieder nur um die Sicherheit der Fußgänger (also wenn Fuß- und Radweg zusammen liegen). Immerhin ist es erlaubt, bei blockierten oder unbefahrbaren Radwegen auf die Straße auszuweichen (aber wohl eher nicht auf den Fußweg, aber so ganz klar ist mir das nicht geworden).

    Irgendwie haben auch diverse Regierungsbeteiligungen der Grünen nie etwas daran ändern können, weder auf Bundes- noch auf Landesebene – Radfahrer haben eben eine sehr kleine Lobby in Deutschland.

    Wie neidisch guckt man da z.B. nach Kopenhagen. Breite Radwege, die offensichtlich auch relativ schnell geräumt werden (das werde ich am Wochenende mal verifizieren) und Radfahrer haben im Zweifel im Verkehr sowieso immer Recht.

    Aber auch in Deutschland gibt es ein gutes Beispiel: Münster.

    Nunja. Ich werde mich weiterhin durch die Kraterlandschaft quälen, vermutlich illegalerweise Fußgänger aus dem Weg klingeln und jedes Mal hoffen, nicht mal aufs Glatteis abgedrängelt zu werden.

    Nein, da fällt es mir wirklich nicht leicht, stolz auf meine Heimatstadt zu sein.

  • 07 Jan 2010Eine kleine schwedische Meiereikunde

    Jetzt wo der Herr Siepert nicht mehr nur Foodbloggt, könnte ich doch eigentlich auch mal anfangen, Foodzubloggen. Ich hab da leider nicht so viel kulinarische Sexyness beizutragen wie ebenjeniger, aber jeder hat mal klein angefangen.

    Jeder, der mich ein bisschen besser kennt, weiss, das ich gefühlt ein halber Skandinavier bin. Ich bin fast jeden Sommer in Schweden, nach ’ner Woche da oben radebreche ich sogar ganz passabel Schwedisch. Auch Dänemark ist mir nicht fremd, im Gegensatz zu dem klassischen Dänemark-Urlauber kenne ich mich allerdings auf Seeland, Lolland und Falster wesentlich besser aus als auf dem “Festland”.

    Nundenn. Wie es das Schicksal wollte, verbrachte ich den Jahreswechsel auch in Dänemark, und zwar in Lalandia, ein Ort, den der geneigte Individual-Reisende vermutlich ganz abscheulich findet (Think: Dänische Version der Center Parcs), der aber den Vorteil hatte, ein ganz hervorragendes Schwimmbad zu besitzen und Ferienhäuser mit freiem WLAN. Schon sehr Massentouristisch (und über den Jahreswechsel erschreckend voll) und für mich sicher kein Ort, an dem ich drei Wochen Sommerurlaub verbringen möchte. Für unsere spontane Flucht aus dem Großstadt-Sylvester-Wahnsinn war es jedenfalls ideal.

    Aber eigentlich sollte es doch um Milchprodukte gehen, also wo war ich stehen geblieben? Ach ja. In Dänemark muss ich natürlich Ymer kaufen. Und dann kam meine Freundin auch noch mit Dingen aus Schweden (wo sie den ausgewanderten Teil Ihrer Familie besuchte). Und so entstand die Idee, dem geneigten Leser einmal kurz die Vorzüge der skandinavischen Meiereiprodukte nahezubringen. Denn ich stelle immer wieder gerade bei frischgebackenen Skandinavien-Neulingen fest, dass man sich nicht so recht rantraut an all die komischen Dinge, die sich da im Kühlregal stapeln. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn erstens sind die Namen nicht selbsterklärend und zweitens ist die Schnittmenge mit den uns Deutschen vertrauten Milchprodukten nicht sonderlich groß.

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  • 07 Dec 2009Die Revolution wird nicht im Fernsehen...

    Ich hab mir gestern die Revolution angesehen. Und zwar die, die schon längst “am passieren iss”.
    Und zwar war ich gestern beim “Holy Shit Shopping” im alten Gaswerk. Das ist der erste Weihnachtsmarkt, für den ich Eintritt bezahlen musste
    und, ich denke auch der erste Weihnachtsmarkt, vor dem ich anstehen musste.

    Der Anspruch der Macher ist, laut Website:

    Die Weihnachts.Shopping.Lounge ist ein Kunst- und Designmarkt und präsentiert seit 6 Jahren ca. 150 handverlesene junge Designer, Kreative und Künstler, sowie eine wilde Mischung an Mode-, Schmuck- und Produktdesign, Kunst, Fotografie, Graphik, Comics und Literatur in besonderer Architektur.

    Ja, Kunst gab es auch, Schmuck ’ne ganze Menge, aber ansonsten vor allem: Kunsthandwerk der modernen Variante. Also das ganze Etsy-/Dawanda-Gelöt. Und das ist schon beeindruckend, wie viel Kreativität dieses “Neue Kunsthandwerk” hervorbringt. Klar, es gibt ungefähr 200 Variationen der Handy-Hülle aus Filz, aber zumindest denkt jeder seine Idee mit dazu. Und richtig coole Sachen gabs auch, intelligentes Produktdesign, abgefahrene Ideen, gute und verrückte Mode, und und und. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich mir die Mühe machen und ein paar Sachen verlinken, stattdessen verweise ich auf die Links auf der Seite vom Holy Shit Shopping.

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  • 10 Nov 2009Man hätte es ahnen können

    Gestern war ja nun ein nicht komplett unwichtiges Datum. Vor 20 Jahren begann mit einer leicht chaotischen Pressekonferenz der Anfang vom Ende der Trennung von West- und Ostdeutschland. Wie es der Zufall wollte, ergab es sich, das mein Kollege Wolfgang und ich die Gelegenheit hatten, gestern Abend in Berlin zu weilen – Der wichtigsten Stadt der Welt, zumindest am neunten November.

    Und was für eine fantastische Gelegenheit das war. Wir konnten live erleben wie man einen unglaublich wichtigen Tag in unserer Geschichte statt in eine unglaublich spannende, unglaublich fröhliche und unglaublich glückliche Party in eine unglaublich traurige, unglaublich peinliche und unglaublich überhebliche Großveranstaltung verwandelt. Good job!

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  • 24 Oct 2009Wider die Kulturflatrate

    Nundenn. Ich habe diesen Artikel schon einmal geschrieben. Beziehungsweise, ich habe die Gedanken, die zu diesem Artikel führen, schon einmal versucht, in einen Artikel zu gießen. Und dann erschien nach dem Drücken des Buttons mit dem Text “Veröffentlichen” nicht ganz das erwartete: Es präsentierte sich mir das Login-Formular meines Blogsystems. Sämtliche Versuche, den Text irgendwie der Browserhistorie zu entlocken scheiterten Gnadenlos.

    Anstatt den Text noch einmal zu schreiben, fasste ich mir danach ein Herz und führte endlich den schon vor längerer Zeit gefassten Plan aus, jan.krutisch.de durch eine Sammlung meiner diversen Blogs zu ersetzen. Und hier sind wir nun.

    Aber, das Thema soll ja lauten: Kulturflatrate. Also hier ein Text, der so ähnlich bereits einmal in den Tiefen des Datenraumes verschwand:

    In den aktuell ja sehr engagiert zwischen ewiggestrigen Medienmenschen und Zukunftsverstehern geführten Debatten zur Zukunft der Medien taucht gern immer mal wieder der Begriff der Kulturflatrate auf. Die Idee dabei ist, bei den bösen Internetzbenutzern, die ja alle so wahnsinnig viel Medien konsumieren, die sie gar nicht gekauft haben (Alles Diebe und Piraten!) quasi mit der Zugangsgebühr zusätzlich eine Mediennutzungsgebühr (eben die Kulturflatrate) zu erheben, die dann nach Nutzung an die Medienersteller ausgeschüttet werden.

    Was für eine Wundervolle Idee! All unsere Probleme sind gelöst! Alles wird gut!

    Nur: Ich weiss gar nicht wo ich aufhören soll, den Proponenten einer solchen Kulturflatrate zu widersprechen.

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