Jan Krutisch ...maker. breaker. crush groover. body mover.

Deutsche Artikel

  • » Ueber Zigaretten Und Fahrradhelme

    Neulich ist mir ein Tweet über den Weg gelaufen, der, sicher vom @sixtus geretweetet, so aussah:

    In einer Welt in der man nicht mehr raucht und alle Fahrradhelme tragen, werden wir alle alt aber wohl nicht glücklich…

    Solche Tweets bereiten mir oft Kopfschmerzen, weil es mir als nichtrauchender Helmträger so schwer fällt, mir vorzustellen wie unglücklich jemand sein muss, das er sein Glück über die Abszenz eines Gegenstandes und den Konsum einer Droge definiert, aber das was mich jetzt dazu bringt ein längeres Traktat dazu zu schreiben ist, dass ich die Kombination dieser beiden Dinge für so unglaublich dämlich halte.

    Der Reihe nach: Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn es in Hamburg, wie z.B. in London, gesellschaftlich anerkannt wäre, dass der Fahrradhelm zum Fahrradfahren dazugehört. Ich hab mich selber lange dagegen gesträubt, einen aufzusetzen, aber letztendlich überwiegt dann doch die Überlegung das mein Leben als Geistarbeiter zu sehr an meinem Dötz hängt als dass ich nicht alles notwendige dafür tun sollte, dass ebenjeniger vernünftig vor größeren Schäden bewahrt wird.

    Ich persönlich hätte auch nichts dagegen, wenn eine solche gesellschaftliche Anerkennung über eine gesetzliche Regelung erreichen würden, so wie es uns ja doch schon das ein oder andere Mal (z.B. bei der Anschnallpflicht und der Helmpflicht (!) für Motorradfahrer) ganz gut geglückt ist. Aber ich, der sich ja nun mal für das Tragen eines Helmes entschieden hat, kann auch ganz gut ohne so eine Regelung leben. Die Risiken, die für andere Menschen entstehen, dadurch das @rational_heart keinen Fahrradhelm trägt, sind eher gering. Falls sie Kinder hat, könnte man anführen, dass sie vielleicht alles daran setzen sollte, sich selber zu schützen, weil jegliche Verletzung gleich riesige Probleme für die Nachkommen erzeugt, aber auch das würde ich im Zweifel eher der Beurteilung des einzelnen überlassen. Ich persönlich glaube nicht, dass mich, sollte ich einen Crash hinlegen, das Glückerfüllte Fahren mit freiem Haupthaar so befriedigen würde dass ich hinterher, in der Intensivstation, sagen würde “Yo, das war geil, ich würde es wieder machen!” - Aber das mag jeder anders Beurteilen.

    Kommen wir also zum Rauchen. Wie gesagt, mir als Nichtraucher (und offensichtlich nicht sehr suchtgefährdeten Person) ist es nicht klar, wie man persönliche Freiheit und Glück über den Konsum einer gefährlichen, ungesunden Droge definieren kann. Es sei denn es geht um Schokolade natürlich. Wenn man sich mit Rauchern darüber unterhält, dann ziehen diese die Diskussion dann gerne schnell auf die Metaebene und behaupten dass es ihnen gar nicht um das Rauchen an sich ginge sondern um das Rauchverbot als Symptom einer immer weiter regulierten Gesellschaft. Das fände ich an sich tatsächlich fast nachvollziehbar, denn der zunehmende Regulierungsdrang ist tatsächlich etwas, das man als halbwegs liberal eingestellter Mensch Scheiße finden kann, und zwar mit einigem Recht.

    read more...
  • » Hier irrt Herr Lischka

    Von Hendrik Mans bekam ich auf Twitter diesen Artikel von Konrad Lischka, seines Zeichens stellvertretender Ressortleiter der Netzwelt nähergebracht. Die Überschrift lautet “Die Feinde der “Contentmafia” sind Heuchler”, das macht einen ja dann doch mal aufhorchend.

    Ein paar tausend Zeichen später war es dann eine wilde Mischung aus einer angeblich alternativen Perspektive und den üblichen Fehlannahmen und Missverständnissen, die die Debatte üblicherweise in den Medien dominieren.

    Nun denn. Fangen wir mal ganz hinten an:

    Wer die Markwirtschaft akzeptiert, aber Urhebern das Recht aufs Wirtschaften abspricht, ist ein Heuchler.

    Ich glaube niemand spricht Urhebern in dieser Debatte das Recht aufs Wirtschaften ab. Das wäre auch absurd. Herr Lischka nennt, nur ein paar Absätze früher, selber Beispiele, wie Künstler Einkünfte generieren können: Konzerte, Merch, das ganze Zeug. Und davon abgesehen spricht ja auch nichts dagegen, weiterhin Tonträger oder digitale Werke zu verkaufen. Oder sagen wir mal so: Man kann es zumindest versuchen.

    Und hier kommen wir auch schon zu dem ersten Problem: Zunächst erst einmal wäre ja zu beweisen, dass illegale Downloads den Urhebern schaden.

    Das Grundproblem ist ja folgendes: Während eine geklaute Vinylplatte oder Wachswalze, oder meinetwegen auch eine geklaute CD vor allem geklaut ist, stellt sich die Sachlage bei digitalen Kopien etwas komplexer da. Wenn ich meinem Kumpel eine mp3-Datei auf seinen Mp3-Player kopiere, dann habe ich die Datei ja immer noch. Wirtschaftlicher Schaden entstünde in dem Moment, in dem mein Kumpel die Datei eigentlich selbst gekauft hätte. Solche Fälle gibt es, keine Frage. Sind sie aber die Regel? Und was ist mit Leuten, die sich erst Raubkopien anhören und dann doch die CD kaufen, oder den High-Quality-Lossless-Download, weil sie die Musik geil finden? Und die Musik sonst vielleicht nie entdeckt hätten? Es gibt viele Leute die behaupten, sie würden in der digitalen Welt mehr Musik kaufen. Bis zu meinem Spotify-Account war das definitiv bei mir auch so, jetzt bezahle ich über meinen Spotify-Pro-Account und über meine iTunes-Match-Gebühr. Aber wie sehen die Zahlen jenseits der Anekdote wirklich aus?

    read more...
  • » Hamburg Deine Radwege...

    Seit meinem Umzug bin ich ja jetzt wieder Radfahrer. Gut, der Zeitpunkt ist etwas unglücklich gewählt, Hamburg versinkt mal wieder in einem Jahrhundertwinter (schon der zweite in Folge, uiuiuiui), aber ehrlich gesagt bin ich da noch aus meiner Schulzeit genug Kummer gewohnt, denn in der Regel war es damals immer noch einfacher und schneller, mit dem Fahrrad zu fahren, als mich auf die ständig zu spät kommenden Busse zu verlassen, die dann auch schon mal nach kurzer Rutschphase einfach an unserer Bushaltestelle vorbeigerauscht sind.

    Damals bestand mein Schulweg vor allem aus kleinen Straßen zwischen Berne und Wellingsbüttel – Allesamt im Winter eher nicht geschoben und daher immer mal wieder für eine Rutschpartie gut, aber wenigstens, weil Straßen, irgendwann so festgefahren, dass man da bequem durch kam.

    Jetzt besteht mein Arbeitsweg überwiegend aus Radwegen, mit der Ausnahme des Weidenstiegs, der mit fast durchgehendem Kopfsteinpflaster schon bei Regen eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle darstellt. Wobei, das ist nicht ganz richtig, denn zur Zeit sind ca. 50-60% der Radwege auf meinem Arbeitsweg schlicht nicht befahrbar. Der Zustand lässt sich in etwa als seifige Mondkraterlandschaft beschreiben.

    Schlimmer noch: An Stellen, an denen nicht eindeutig ein Mieter für die Räumung der Gehwege verantwortlich ist (wo ich also Laienhaft davon ausgehe, dass die Stadt die Räumpflicht selber hat), ist oft nicht mal der Gehweg geräumt.

    Okay, leere Kassen und so, und auch die Räumung der Straßen hat um Weihnachten herum eher zu wünschen übrig gelassen, als es so stark geschneit hat, aber das Problem an der Stelle ist doch, das die Stadt sich dort eindeutig riesige Haftungsrisiken aufbürdet (abgesehen von dem vorgelagerten Verletzungsrisiken, die ja im Zweifel erst im Haftungsfall irgendwen interessieren).

    Und wir Radfahrer? Je nun, nach allem was ich so auf die Schnelle im Netz dazu gefunden habe, sind wir im Zweifel einfach die gelackmeierten – Eine spezielle Räumpflicht für Fahrradwege gibt es nicht und wenn, dann geht’s auch wieder nur um die Sicherheit der Fußgänger (also wenn Fuß- und Radweg zusammen liegen). Immerhin ist es erlaubt, bei blockierten oder unbefahrbaren Radwegen auf die Straße auszuweichen (aber wohl eher nicht auf den Fußweg, aber so ganz klar ist mir das nicht geworden).

    Irgendwie haben auch diverse Regierungsbeteiligungen der Grünen nie etwas daran ändern können, weder auf Bundes- noch auf Landesebene – Radfahrer haben eben eine sehr kleine Lobby in Deutschland.

    Wie neidisch guckt man da z.B. nach Kopenhagen. Breite Radwege, die offensichtlich auch relativ schnell geräumt werden (das werde ich am Wochenende mal verifizieren) und Radfahrer haben im Zweifel im Verkehr sowieso immer Recht.

    Aber auch in Deutschland gibt es ein gutes Beispiel: Münster.

    Nunja. Ich werde mich weiterhin durch die Kraterlandschaft quälen, vermutlich illegalerweise Fußgänger aus dem Weg klingeln und jedes Mal hoffen, nicht mal aufs Glatteis abgedrängelt zu werden.

    Nein, da fällt es mir wirklich nicht leicht, stolz auf meine Heimatstadt zu sein.

  • » Eine kleine schwedische Meiereikunde

    Jetzt wo der Herr Siepert nicht mehr nur Foodbloggt, könnte ich doch eigentlich auch mal anfangen, Foodzubloggen. Ich hab da leider nicht so viel kulinarische Sexyness beizutragen wie ebenjeniger, aber jeder hat mal klein angefangen.

    Jeder, der mich ein bisschen besser kennt, weiss, das ich gefühlt ein halber Skandinavier bin. Ich bin fast jeden Sommer in Schweden, nach ’ner Woche da oben radebreche ich sogar ganz passabel Schwedisch. Auch Dänemark ist mir nicht fremd, im Gegensatz zu dem klassischen Dänemark-Urlauber kenne ich mich allerdings auf Seeland, Lolland und Falster wesentlich besser aus als auf dem “Festland”.

    Nundenn. Wie es das Schicksal wollte, verbrachte ich den Jahreswechsel auch in Dänemark, und zwar in Lalandia, ein Ort, den der geneigte Individual-Reisende vermutlich ganz abscheulich findet (Think: Dänische Version der Center Parcs), der aber den Vorteil hatte, ein ganz hervorragendes Schwimmbad zu besitzen und Ferienhäuser mit freiem WLAN. Schon sehr Massentouristisch (und über den Jahreswechsel erschreckend voll) und für mich sicher kein Ort, an dem ich drei Wochen Sommerurlaub verbringen möchte. Für unsere spontane Flucht aus dem Großstadt-Sylvester-Wahnsinn war es jedenfalls ideal.

    Aber eigentlich sollte es doch um Milchprodukte gehen, also wo war ich stehen geblieben? Ach ja. In Dänemark muss ich natürlich Ymer kaufen. Und dann kam meine Freundin auch noch mit Dingen aus Schweden (wo sie den ausgewanderten Teil Ihrer Familie besuchte). Und so entstand die Idee, dem geneigten Leser einmal kurz die Vorzüge der skandinavischen Meiereiprodukte nahezubringen. Denn ich stelle immer wieder gerade bei frischgebackenen Skandinavien-Neulingen fest, dass man sich nicht so recht rantraut an all die komischen Dinge, die sich da im Kühlregal stapeln. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn erstens sind die Namen nicht selbsterklärend und zweitens ist die Schnittmenge mit den uns Deutschen vertrauten Milchprodukten nicht sonderlich groß.

    read more...

  • » Die Revolution wird nicht im Fernsehen...

    Ich hab mir gestern die Revolution angesehen. Und zwar die, die schon längst “am passieren iss”.
    Und zwar war ich gestern beim “Holy Shit Shopping” im alten Gaswerk. Das ist der erste Weihnachtsmarkt, für den ich Eintritt bezahlen musste
    und, ich denke auch der erste Weihnachtsmarkt, vor dem ich anstehen musste.

    Der Anspruch der Macher ist, laut Website:

    Die Weihnachts.Shopping.Lounge ist ein Kunst- und Designmarkt und präsentiert seit 6 Jahren ca. 150 handverlesene junge Designer, Kreative und Künstler, sowie eine wilde Mischung an Mode-, Schmuck- und Produktdesign, Kunst, Fotografie, Graphik, Comics und Literatur in besonderer Architektur.

    Ja, Kunst gab es auch, Schmuck ’ne ganze Menge, aber ansonsten vor allem: Kunsthandwerk der modernen Variante. Also das ganze Etsy-/Dawanda-Gelöt. Und das ist schon beeindruckend, wie viel Kreativität dieses “Neue Kunsthandwerk” hervorbringt. Klar, es gibt ungefähr 200 Variationen der Handy-Hülle aus Filz, aber zumindest denkt jeder seine Idee mit dazu. Und richtig coole Sachen gabs auch, intelligentes Produktdesign, abgefahrene Ideen, gute und verrückte Mode, und und und. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich mir die Mühe machen und ein paar Sachen verlinken, stattdessen verweise ich auf die Links auf der Seite vom Holy Shit Shopping.

    read more...

Ältere Artikel (aka "das Archiv")